Die Magie der Wildnis

Okavango-Delta-Safari · Botswana

Die Magie
der Wildnis

Botswana ist eines der letzten unberührten Naturparadiese – mit einer überwältigenden Tierwelt und den außergewöhnlichsten Camps Afrikas.

Text & Fotos: Daniela Grunwald

Elefant an einer Wasserstelle in Botswana

Es gibt nur wenige Orte, die sich noch so wild anfühlen, so unberührt, wunderbar abgelegen und magisch. Kein Wunder, dass Botswana als eine der schönsten und exklusivsten Safari-Destinationen der Welt gilt. Nirgendwo sonst begegnet man einer so großen Vielfalt an Tieren und das in atemberaubenden Landschaften, von typisch afrikanischer Steppe bis hin zum prächtigen und einzigartigen Okavango-Delta – und das alles in diesem ganz besonderen Licht Afrikas. Wer hierher kommt, wird dieses Erlebnis sein Leben lang nicht mehr vergessen.

Schon vor Antritt der Reise wird klar, dass es ein echtes Abenteuer wird. Man soll nur wenig und nur weiches Gepäck mitnehmen – damit es in die kleinen Buschflieger und Helikopter passt – und unbedingt auch an Akkus und die richtige Kleidung denken. Aber spätestens bei der Anreise wird die Abgeschiedenheit deutlich. Das Flugzeug, in das man steigt, wird jedes Mal kleiner, die Landschaft, auf die man von oben schaut, immer weniger besiedelt. Bis der Pilot einen nach der Landung mit einem lässigen „Welcome to the bush!“ begrüßt.

Giraffe im Khwai Private Reserve
Eine der vielen Giraffen – völlig unbeeindruckt vom vorbeifahrenden Land Cruiser.

Little Sable im Khwai Private Reserve

Von der Stadt Maun im Norden Botswanas geht es mit einer Cessna Grand Caravan EX weiter in die Wildnis, bis zum Landeplatz unseres ersten Camps. Von dort bringt uns unser Guide mit einem Toyota Land Cruiser zu unserer ersten Station: Little Sable. Das Camp befindet sich – wie alle Unterkünfte auf unserer Reise – mitten im Nirgendwo, mehrere Stunden Fahrt vom nächsten Ort beziehungsweise von der Zivilisation entfernt. Hier gibt es keine Straßen, keine Schilder, nichts – alles ist vollkommen unberührt. Nur Natur. Wie vor Tausenden von Jahren.

Little Sable liegt im rund 200.000 Hektar großen Khwai Private Reserve, einem privaten Wildschutzgebiet. Die Landschaft hier ist geprägt von einer seltenen Mischung aus trockenen Wäldern, weiten Graslandschaften und saisonalen Überschwemmungsebenen, durchzogen von Kanälen und seerosenbedeckten Wasserwegen.

Das Khwai Private Reserve grenzt an das Okavango-Delta, das zu den eindrucksvollsten Landschaften Afrikas zählt. Mit rund 15.000 Quadratkilometern ist es das größte Binnendelta der Welt und wird auch als das grüne Herz Botswanas bezeichnet. Es ist eines der letzten unberührten Paradiese, ein UNESCO-Welterbe. Hier leben mehr als hundert Säugetierarten, über 400 Vogelarten sowie Dutzende Reptilien- und Amphibienarten.

Wenn die Wasserstände steigen und sich die Flussarme und Pfannen füllen, kommen immer mehr Tiere aus trockeneren Gegenden in das Delta. Deshalb gibt es nirgendwo sonst eine so hohe Dichte und Vielfalt an Tieren wie hier.

Gästezelt eines Safari-Camps in Botswana
Das Camp verfügt über großzügige Gästezelte mit Wohn- und Schlafbereich.

Obwohl das Camp mitten in der Wildnis liegt, bietet es allerhöchsten Komfort. Jede der acht auf Stelzen gebauten Gästevillen ist stilvoll gestaltet und mit einem riesigen Himmelbett, einem Badezimmer, einer eigenen Veranda und sogar WLAN ausgestattet.

Sie alle sind durch Holzstege miteinander verbunden, die zu den Gemeinschaftsbereichen des Camps führen: dem Pool sowie dem schicken, offenen Restaurant-, Bar- und Loungebereich mit viel Holz, gemütlichen Sofas und geflochtenen Hängelampen. Hier werden mehrgängige Menüs auf gehobenem Niveau serviert, begleitet von exzellenten Weinen – und das alles in entspannter Atmosphäre, ohne Dresscode-Stress. Erst das Heulen einer Hyäne aus der Ferne erinnert einen wieder daran, dass sich diese luxuriöse Oase tatsächlich mitten im Busch befindet.

In den Gästevillen geht diese besondere Unterhaltung weiter. Bei geöffneter Terrassentür trennt nur ein festes Fliegengitter den Innenraum von der Außenwelt. Dadurch ist die Natur gefühlt noch näher, jedes Geräusch noch hörbarer. Und so erlebt man auch diese unvergesslichen Momente, wie zum Beispiel im Bett zu liegen und mit dem Gebrüll eines Löwen einzuschlafen, der nur wenige Meter entfernt an einem vorbeiläuft.

Da das Camp keinen Zaun hat und die Tiere sich jederzeit in unmittelbarer Nähe aufhalten können, ist es nach Einbruch der Dunkelheit und vor Sonnenaufgang nicht erlaubt, sich außerhalb der eigenen Villa allein zu bewegen. Die Gäste werden dann stets von einem der Guides begleitet. Diese sind in Botswana aufgewachsen, haben von klein auf gelernt, Spuren zu lesen, Gefahren zu erkennen und wissen ganz genau, wie man sich in bestimmten Situationen verhalten muss.

Wie in jedem Camp stehen morgens und abends die sogenannten Game Drives auf dem Programm – die berühmten Erkundungsfahrten mit dem Land Cruiser, für den übrigens auch Touren durch kleine Überschwemmungsgebiete oder dichtes Gestrüpp kein Problem sind. Dafür wird man am frühen Morgen noch vor Sonnenaufgang von einem der Angestellten mit einem Tablett mit Kaffee und Keksen geweckt.

Drei junge Geparden in der Abendsonne
Drei junge Geparden entspannen in der Abendsonne.

Naturschutz an erster Stelle

Da alle Camps dieser Reise in privaten Reservaten liegen, erleben die Besucher – im Gegensatz zu Safaris in den üblichen Nationalparks wie zum Beispiel in Südafrika – hier eine absolute Exklusivität. Es gibt keine anderen Touristengruppen oder Fahrzeuge. Man ist hier wirklich allein und begegnet Zebras, Löwen, Leoparden, Geparden, Giraffen, Nilpferden, Antilopen und Elefanten und sogar den vom Aussterben bedrohten Wildhunden aus nächster Nähe. Manchmal dauert es keine zwei Stunden, bis die persönliche Wunschliste abgehakt ist – inklusive Tierbabys.

Diese wunderbare Unberührtheit soll weiterhin erhalten bleiben. Deshalb begrenzt die Regierung von Botswana bewusst die Anzahl der Touristen im Land. Der Schutz dieser fantastischen Natur und Tierwelt steht an erster Stelle – ein Ansatz, den auch Natural Selection, ein naturschutzorientiertes Tourismusunternehmen, konsequent verfolgt.

Dieses bietet eine handverlesene Kollektion von 24 eigentümergeführten Safaricamps im südlichen Afrika, zu der auch Little Sable gehört. Natural Selection betreut und schützt damit über 1.600.000 Hektar Land.

Ein beträchtlicher Teil jeder Buchung fließt direkt in den Schutz von Wildtieren, ihrer Lebensräume sowie in Gemeinschaftsprojekte. Natural Selection arbeitet eng mit lokalen Gemeinden, Regierungen und Naturschutzorganisationen zusammen. So wird zum Beispiel der Bau einer Schule im Khwai Village unterstützt. Ebenso wie das CLAWS-Projekt, das die traditionelle Viehhaltung fördert.

Zusätzlich werden einzelne Löwen zeitweise durch spezielle Halsbänder mit Satellitensendern ausgestattet. So lassen sich Verhaltensmuster erforschen, Dorfgemeinden und Hirten warnen und die Löwen vor Vergeltungstötungen bewahren.

Löwe im hohen Gras Botswanas
Majestätisch: Ein Löwe wärmt sich im hohen Gras in den ersten Sonnenstrahlen.
Löwin vor einer Büffelherde
Spannende Begegnung: Eine Löwin trifft auf eine Büffelherde. Wenige Minuten später gingen alle wieder ihrer Wege.

Elephant Pan

Die scheinbar unendliche Weite wird auch beim Helikopterflug zum nächsten Camp deutlich. Wir fliegen über die flache Landschaft mit Wäldern, Grünflächen, glitzernden Wasserläufen und kleinen Inseln. Hier und da entdecke ich eine Elefantenherde oder einzelne Giraffen. Weit und breit nur Natur.

Der Pilot landet auf einer schlichten Sandfläche, von dort geht es mit einem anderen Land Cruiser zur nächsten Station: Elephant Pan, inmitten der sandigen Mopane-Wälder.

Das Besondere an diesem Camp: Es liegt direkt an einer Wasserstelle, an der sich immer wieder Elefanten tummeln. Hier kann man im Pool schwimmen, während direkt davor die Dickhäuter in aller Ruhe baden und trinken. Das Camp ist bewusst schlicht gehalten, bietet aber ebenfalls jeglichen Komfort.

Die acht Gästezelte – wobei diese schon eher an Bungalows erinnern – liegen nur wenige Meter von der Wasserstelle entfernt. So kann man jederzeit das Planschen und Schnauben der Elefanten beobachten und hören.

Land Cruiser beim Sundowner in Botswana
Kurzer Stopp zum Sonnenuntergang: Im Land Cruiser sind Drinks, Decken und Klappstühle immer dabei.

Auch die Umgebung von Elephant Pan bietet ideale Bedingungen für spannende Game Drives. Und dabei achten die Guides nicht nur auf das Wohl der Gäste, sondern auch immer auf das der Tiere, selbst der kleinsten.

Als wir während der Fahrt einen Grashüpfer im Land Cruiser entdecken, hält unser Guide sofort an. Der Grashüpfer müsse sofort zurück in die Natur, erklärt er sichtlich besorgt, sonst würde das Tier durch die unnatürlich große, zurückgelegte Entfernung seine Familie verlieren. Ein kleines, rührendes Beispiel für die tiefe Verbundenheit der Menschen hier mit der Natur.

Unter freiem Himmel in den Skybeds

Mehr als eine Stunde Fahrt vom Elephant Pan entfernt liegt eine der spektakulärsten Übernachtungsmöglichkeiten überhaupt: Skybeds. Schon der Name verrät, dass dies kein gewöhnliches Camp ist. Es sind Open-Air-Unterkünfte auf hölzernen Türmen mitten im Busch, drei Gästetürme zum Schlafen sowie ein Gemeinschaftsturm, auf dessen Plattform ein Feuer knistert und das Dinner serviert wird.

Skybeds auf einem offenen Holzplateau
Skybeds bietet Abendessen und Übernachten auf einem offenen Holzplateau mitten im Busch.

Jedes der drei „Zimmer“ besteht aus einer dreistöckigen, erhöhten Plattform. Über eine Holztreppe geht es hinauf in die fünf Meter hohe, eigene Unterkunft. Auf der ersten Ebene befindet sich ein kleines Badezimmer, darüber – ganz oben auf dem Plateau – ein Doppelbett mit weißen Laken, kuscheligen Kissen, Decken und Mückennetz. Darüber: nichts außer Sterne. Auf dem Nachttisch liegen eine Taschenlampe und ein Signalhorn für den Notfall.

Und so schläft man auf einem offenen Holzplateau unter freiem Himmel, mitten in der Wildnis. Wenige Meter entfernt schleicht ein Leopard durch die Nacht, eine Löwenfamilie trinkt an der nahegelegenen Wasserstelle. Man hört jedes Knacken, jedes Rufen eines Tieres und steht oft auf, um neugierig Ausschau zu halten.

Mit der Taschenlampe entdecke ich nicht selten leuchtende Augen. Direkt oder lange anstrahlen soll man die Tiere jedoch nicht, Respekt ist hier oberstes Gebot. Eigentlich müsste man irgendwann auch schlafen. Aber eigentlich will man das gar nicht. Denn dieses Erlebnis, hier wirklich mittendrin zu sein, umgeben von wilden Tieren, weit weg von der Zivilisation, ist unbeschreiblich.

Elefantenherde aus dem Helikopter
Blick aus dem Helikopter: Eine Elefantenherde zieht durch die scheinbar endlose Weite.

Mbamba und die Wasserwege des Deltas

Unser nächstes Camp Mbamba ist wieder komplett anders. Wir erreichen es nach einem weiteren Buschflug und einer Fahrt mit dem Land Cruiser. Mbamba ist neu, aber mit einem ganz besonderen Charme vergangener Zeiten. Es wurde in einem ikonischen Safaristil entworfen: mit riesigen Zelten, edlen Stoffen, Mahagoni-Sideboards, persischen Teppichen und romantischen Himmelbetten.

Gemeinschaftszelt von Mbamba
Das Gemeinschaftszelt von Mbamba, gestaltet im ikonischen Safaristil, mit edlen Stoffen und Sammlerstücken.

Jedes der zwölf Gästezelte verfügt über ein großes Badezimmer, zusätzliche Außenduschen sowie eine Veranda. Das große Doppel-Gemeinschaftszelt ist ein echtes Highlight, geprägt von drapierten Stoffen und einer Sammlung antiker Artefakte.

Hier kann man sich in einer der vielen Sitzgruppen zurücklehnen, ein Buch aus der hauseigenen Bibliothek lesen oder zum Pool-Zelt nebenan gehen. Die mehrgängigen Mahlzeiten werden gemeinsam mit allen anderen Gästen an einer langen Tafel eingenommen, so wie es früher bei Safaris üblich war.

Mbamba liegt im nördlichen Okavango-Delta. Hier ist die Landschaft noch grüner, noch wasserreicher. Neben den klassischen Game Drives sind deshalb Fahrten mit dem Mokoro, dem traditionellen Einbaum-Kanu, ein Muss. Dabei gleitet man lautlos durch schmale, schimmernde Wasserwege, sieht die hohen Gräser und Seerosen an sich vorbeiziehen. Man erlebt die Wildnis noch einmal aus einer völlig neuen Perspektive.

Flusspferde in einer Wasserstelle Fahrt mit dem Mokoro durch das Okavango-Delta
Flusspferde beim Baden und eine Fahrt mit dem Mokoro durch einen der vielen Kanäle.

Genauso schön ist es, mit einem motorisierten Boot auf einem größeren Kanal in den Sonnenuntergang zu fahren, während die Sonne die Gräser in goldenes Licht taucht und ein über fünfzig Jahre altes Krokodil für einen Moment regungslos am Ufer liegt.

Zurück im Camp lassen wir den Tag am Lagerfeuer ausklingen, bei Gesprächen über all die unglaublichen Erlebnisse im unberührten Paradies.

Diese außergewöhnlichen Unterkünfte und das Eintauchen in diese gigantische Natur, die größer ist als alles andere, sind ein Erlebnis, das man für immer in seinem Herzen tragen wird.

Und an die Zivilisation werde ich mich erst einmal wieder gewöhnen müssen …